Neurologie - warum muss man das erklären?

Neurologie - warum muss man das erklären?

Es ist unsere tägliche Erfahrung, dass der Begriff „Neurologe“ nicht so unmittelbar verständlich ist wie z.B. „Augenarzt“ oder „Hals-Nasen-Ohren Arzt“. Immer wieder empfinden Menschen wegen dieser Ungewissheit Angst oder auch Ärger über ihren Hausarzt, der sie zum „Nervenarzt“ oder auch „Irrenarzt“ geschickt hat.

Womit beschäftigt sich die Neurologie?

Auch wenn die Neurologie eine Teildisziplin der Nervenheilkunde ist und letztendlich eine gewisse Überlappung in der Realität der täglichen Arbeit unvermeidlich ist, sollte sie von der Psychiatrie deutlich abgegrenzt werden.

Die Neurologie beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS), des peripheren Nervensystems (PNS) und der Muskulatur. Diesen Bereichen gemeinsam ist, dass sie aus elektrisch erregbaren Geweben bestehen. Dies ist für die neurologische Zusatzdiagnostik von großer Bedeutung.

Als ZNS fasst man Gehirn und Rückenmark zusammen:

Das PNS besteht aus den Hirnnerven (die direkt aus dem Gehirn entspringen), den Nervenwurzeln (die aus dem Rückenmark entspringen) und den Nerven-Kabeln in Armen und Beinen sowie zu den inneren Organen. Hier sei also auch das vegetative Nervensystem (versorgt z.B. die inneren Organe) als Teil des PNS verstanden.

Die Muskulatur meint hier besonders die quergestreifte Muskulatur der Extremitäten, weniger die glatte Muskulatur der inneren Organe oder die Herzmuskulatur.

Diese Systeme sind wichtig für die Fähigkeit des Menschen, sich zu bewegen (Motorik), Sinnesempfindungen zu haben (fühlen, riechen, sehen, schmecken etc.), Schmerz zu empfinden und auch zu denken (Wachheit, Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Gedächtnis etc.).

Mit Störungen dieser Fähigkeiten, die auf Erkrankungen oder Fehlfunktionen dieser Systeme zurückzuführen sind, beschäftigt sich nun die Neurologie. Die Neurologie hatte sich ursprünglich aus der Inneren Medizin entwickelt.

Worum geht es in den anderen Teilgebieten der Nervenheilkunde?

Anders als die Neurologie beschäftigt sich die Psychiatrie mit Störungen von Wachheit, Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit, Denken, Stimmung, Ich-Gefühl etc, die nicht (oder noch nicht) auf eine biologische Schädigung der o.a. Systeme zurückgeführt werden können - also mit seelischen Störungen.

Psychotherapie und Psychoanalyse stellen nun besondere Ansätze zur Diagnostik und Therapie mancher dieser Störungen dar.

Der Nervenarzt versucht nun das gesamte Spektrum der Nervenheilkunde zu vertreten, was bei immer mehr anwachsendem Wissen und immer größerer Spezialisierung der Teilgebiete sicher eine schwierige Aufgabe ist.

Aufgabenverteilung Hausarzt - Neurologe

Ihr Hausarzt ist der erste und wichtigste Ansprechpartner für alle Ihre gesundheitlichen Probleme. Wenn er vermutet, dass das Nervensystem bei Ihren Beschwerden mitbeteiligt ist, will er möglicherweise eine spezialisierte Meinung eines Facharztes einholen. Manchmal wollen wahrscheinlich auch Sie selbst, als Patient, eine „zweite Meinung“ eines Facharztes hören. In diesen Fällen wird die Konsultation eines Neurologen vorgeschlagen werden. In seltenen Fällen mag es sein, dass der Hausarzt für eine gewisse Zeit (z. B. nach Hirntumor-Operation) die Rolle des Primärtherapeuten an den Neurologen abgibt. Bei manchen Erkrankungen (Parkinson, Multiple Sklerose, Epilepsien) wird der Neurologe für diese chronischen Erkrankungen auf Dauer die Aufgabe eines Primärtherapeuten übernehmen müssen.

In den meisten Fällen ist der Neurologe jedoch beratend oder abklärend tätig. Das heißt, der Neurologe klärt ab, ob bei den geklagten Beschwerden eine Mitbeteiligung des Nervensystems vorliegt und ob bzw. wie diese Problematik behandelbar ist. Da die Behandlung selbst oft in einer Übungstherapie oder Medikamentengabe besteht, werden Sie häufig mit einer Behandlungsempfehlung wieder an Ihren Hausarzt zurückverwiesen.

Wie steht es mit Heilbarkeit oder Behandelbarkeit neurologischer Erkrankungen?

Heute sind die Neurologen in der Lage, einige Erkrankungen ihres Fachgebiets zu heilen und bei den meisten eine Linderung der Beschwerden herbei zu führen. In jedem Fall wird Ihnen die Empfehlung Ihres Neurologen helfen, den größtmöglichen Grad an Lebensqualität zu erhalten oder zu gewinnen, der mit Ihrer Problematik möglich ist. Wie wohl kein anderer Zweig der medizinischen Wissenschaft erleben die Neurowissenschaften einen Zuwachs an Erkenntnis, der meist recht rasch in praktische Empfehlungen umgesetzt wird. Es ist sicherlich das Bestreben der meisten Neurologen, diese Veränderungen genau zu verfolgen, um Ihnen auch in Zukunft die beste mögliche Behandlung anbieten zu können.

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Nervenheilkunde in Ebersberg