Kein Befund und doch krank - Somatoforme Störungen

Kein Befund und doch krank - Somatoforme Störungen

Schmerzen, die keiner Krankheit zugeordnet werden können, Arztbesuche ohne Ergebnis, immer wieder und oft über Jahre hinweg, die schon lange nicht mehr erleichternde Auskunft der Ärzte: „kein Befund“ – das ist die Krankengeschichte von Patienten, an deren Ende der Psychiater steht mit der Diagnose: „Somatoforme Störung“. Dabei kann die Art der körperlichen Beschwerden von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. Als gemeinsames Erkennungszeichen gilt aber, dass die Beschwerden und Symptome weder durch eine organische Krankheit noch durch eine Verletzung oder durch die Einnahme von Medikamenten erklärt werden können.

Es handelt sich aber wiederum auch keinesfalls um eingebildete oder vorgetäuschte körperliche Beschwerden. Die Symptome, besonders dabei der Schmerz, sind tatsächlich vorhanden und werden als beeinträchtigend, unangenehm und oft sehr leidvoll erlebt.

Über Ursachen und Entstehung dieser Erkrankung liegen noch keine abschließenden Erkenntnisse vor. Es sind in der Regel verschiedene Faktoren, die zusammen kommen. So spielt das Erleben von Krankheit und Schmerz in der eigenen Familie eine Rolle, bekannt ist auch, dass somatoforme Störungen mit erhöhter psychischer und sozialer Belastung („Stress“) zusammen hängen, dass oft Kränkungen im Berufsleben und der Familie voraus gingen, die häufig gar nicht bewusst als solche erlebt wurden.

Meist besteht große „Gesundheitsangst“, die als zentraler psychischer Prozess anzusehen ist und mit unrealistischen Sorgen um die Gesundheit verbunden ist. Zudem kann ein Gesundheitssystem, das einseitig in organ-medizinischem Denken verankert ist und psychischen Faktoren nur einen geringen Stellenwert zugesteht, die Entstehung von somatoformen Störungen und deren Chronifizierung begünstigen.

In drei viertel der Fälle beginnen die Störungen bereits vor dem 20. Lebensjahr, insgesamt sind sie wesentlich häufiger anzutreffen, als man noch bis vor kurzem angenommen hat. Nach bislang vorliegenden Schätzungen leiden bei uns etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung unter dieser Erkrankung, in den Praxen von Allgemeinärzten ist mit einem Anteil von fünf bis 20 Prozent zu rechnen.

Behandelt wird heute in der Regel zweigleisig: zum einen medikamentös, wobei sogenannte Antidepressiva in niedriger Dosierung zum Einsatz kommen, von denen auch kein Abhängigkeitsrisiko ausgeht. Zum anderen ist hier auch psychotherapeutische Hilfe angezeigt, wobei sich neben tiefen-psychologisch orientierten Verfahren besonders auch die kognitive Verhaltenstherapie bewährt hat.

Für die häufig anzutreffende Haltung der Resignation und des Fatalismus besteht also kein Grund, wenn auch die Behandlung nicht mit einem einmaligen Besuch beim Psychiater abgetan ist, sondern Geduld und aktive Mitarbeit des Patienten erfordert.
FUVIFEB09
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Nervenheilkunde in Ebersberg