Vorsicht vor Heilsangeboten - Psychotherapien

Vorsicht vor Heilsangeboten - Psychotherapien

Galt es früher als Makel, sich einer psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen, so halten es einer Emnid-Umfrage zufolge heute 93 Prozent der Befragten für angemessen, eine Psychotherapie aufzunehmen.
1994 befanden sich in Deutschland etwa 160000 Menschen in einer von Krankenkassen bezahlten Psychotherapie. Schätzungen nach bedürfen zwei bis drei Prozent der Bevölkerung einer solchen Behandlung.

Wer sich heute mit seelischen Problemen wie Ängsten, Depression oder seelisch bedingten körperlichen Beschwerden nach professioneller Hilfe umschaut, sieht sich mit einer Fülle von Therapieverfahren konfrontiert und weiß auf diesem „Psychomarkt“ oft nicht mehr zu unterscheiden zwischen obskuren Heilsangeboten und seriösen, wissenschaftlich fundierten Therapieverfahren. Von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird eine Psychotherapie dann, wenn eine seelische Erkrankung vorliegt; Paar- oder Familientherapie nicht.
Als Behandlungsverfahren anerkannt sind von den Krankenkassen bisher nur die beiden großen Therapierichtungen – Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch orientierte Verfahren. Möglicherweise kommt demnächst noch die Gesprächstherapie hinzu. Nur diese Verfahren sind ausreichend wissenschaftlich fundiert und können einen Wirksamkeitsnachweis erbringen.
Andere Verfahren wie Bioenergetik oder Hakomi – ähnlich wie Gestalttherapie und Psychodrama eher körperorientiert, das heißt über Körperübungen und -wahrnehmung Einfluss auf das seelische Befinden nehmend – konnten bisher genauso wenig wie NLP oder die Systemtherapie über Einzelerfolge hinaus Wirksamkeitsnachweise erbringen.
Anerkannt und bezahlt von den Krankenkassen sind die tiefenpsychologischen Verfahren wie die Psychoanalyse, die davon ausgehen, dass Defizite in der Kindheit an Resonanz, Ermunterung, Anregung und Bejahung sich in der Persönlichkeitsentwicklung niederschlagen, zu Beziehungsunfähigkeit, Resignation, Ängsten und einem Mangel an Zuversicht, Durchhaltevermögen und Risikobereitschaft führen, dass es unbewusste Prozesse und Konflikte sind, die eine pathogene (krankmachende) Wirkung erzielen und deshalb in der Therapie aufgedeckt und damit der bewussten Beeinflussung wieder zugänglich gemacht werden müssen. Das Heilende in diesem Verfahren ist zum einen die verstehende und Verständnis fördernde Präsenz des Analytikers, zum anderen werden unbewusste „verdrängte“ Vorgänge dem Bewusstsein wieder zugänglich und damit Veränderungen möglich.
Ebenfalls anerkannt ist die Verhaltenstherapie, die davon ausgeht, dass Lerngesetzmäßigkeiten für die Entstehung von seelischen Störungen wie Neurosen verantwortlich sind. Auf dieser Basis werden Behandlungen entwickelt, die auf der Voraussetzung beruhen, dass man solche Fehlfunktionen beseitigen kann.
Verschiedene Techniken wie Entspannungsverfahren, Desensibilisierung, Reizkonfrontation, Selbstbehauptungstraining und Modellernen werden angewandt gegen zum Beispiel Phobien (Angst vor bestimmten Tieren oder vor engen Räumen) oder Zwangsneurosen (zum Beispiel zwanghaftes Waschen).
Der Begriff „Psychotherapeut“ ist erst seit Januar dieses Jahres – seit Inkrafttreten des Psychotherapiegesetzes – gesetzlich geschützt. Seitdem darf sich nur Psychotherapeut nennen, wer in den beschriebenen anerkannten Psychotherapieverfahren die vorgeschriebene Ausbildung nachweisen kann. Dies soll den Hilfesuchenden vor selbsternannten „Therapeuten“ ohne fundierte Ausbildung schützen und bei der Suche nach Psychotherapie Orientierungshilfe bieten.
FUVIFEB09
© 2009 Medizinische Kooperationsgemeinschaft Katharinenhof

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Nervenheilkunde in Ebersberg